Gruselige Halloweengeschichten – kreatives Schreiben

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Der Herbst und auch die Zeit rund um das mittlerweile auch in Europa verbreitete Halloweenfest, das mit seinen unheimlichen Bräuchen und Kürbislaternen die Lust am Gruseln aber auch am Kreativsein weckt, bringt viele Schreibanlässe mit sich.

Ich zeige euch, wie ich diese Motivation in meiner 2. Klasse dieses Jahr genutzt habe und möchte auch einen direkten Vergleich zum letzten Jahr aufzeigen, aber auch ein paar Impulse geben, welche Möglichkeiten es gibt, Kinder zum kreativen Schreiben aufzufordern, sodass sie selbst das Bedürfnis verspüren schöpferisch werden zu wollen. Denn die wenigsten nehmen sich selbst vor zu schreiben, sie brauchen das richtige Werkzeug und die notwendige Motivation, um sich zuzutrauen durch das Schreiben andere sehen zu machen (Zitat: Joseph Conrad).

Auch der Deutschlehrplan sieht vor, dass das Verfassen von Texten so zu gestalten ist, dass es persönlichkeitsstärkend und kreativitätsfördernd auf die Schülerinnen und Schüler wirkt.

Letztes Jahr zu dieser Zeit (8. Schulwoche in der ersten Klasse), haben wir mittels einfacher Rhythmusinstrumente eine Halloweenklanggeschichte vertont, gruselige Kreidemonster gemalt und anschließend Lernwörter aus der Geschichte in unsere Formati Hefte geschrieben. Für die Phonem-Graphem-Zuordnung eignet sich das Vertonen von Wörtern auch gut, sodass sich die Schülerinnen und Schüler beim Schreiben leichter getan haben. Das ist so zu verstehen, dass wir den vorhandenen Selbstlauten (bei uns waren es o, u, i -> Tor, Turm, mit), einen Klang zugeordnet haben.

In der ersten Klasse nutze ich für das kreative Schreiben immer ein glattes Heft, weil den Kindern noch die Orientierung fehlt und sie einfach viel „Freiraum“ zum Schreiben brauchen. Die Schrift ist mal riesengroß, dann wieder mäuschenklein. Anfangs ist das in Ordnung so, denn die Freude am Schreiben muss erhalten bleiben, nein, viel mehr muss sie gestärkt und verdoppelt, verdreifacht werden. Das wünsche ich mir für jedes Kind.
Um aber auch das Bewusstsein für die Buchstabengröße zu schaffen und auch die Notwendigkeit des Abstandes zwischen den einzelnen Wörter zu verstehen, denn der Leser soll natürlich nachvollziehen können, was der Autor mitteilen will, verwende ich das Schreibheft S3. Es ist klein, pro Seite hat es sechs Zeilen. Das ist für die Kleinen beim Erstschreiben ausreichend und sie bewahren den Überblick, wie viel sie schreiben sollen. Sehr hilfreich sind auch die dreiteiligen Zeilen. Ich arbeite nach dem Dach-Haus-Keller-Prinzip, was viele von euch kennen werden, um den Kindern verständlich zu machen, dass ein p beispielsweise vom Haus in den Keller geht, ein a nur im Haus steht, ein f aber vom Dach bis in den Keller reicht.
Tipp: Ich weiß, anfangs nimmt es sehr viel Zeit in Anspruch die Wörter vorzuschreiben. Ich kopiere daher eine leere Seite aus dem Heft, schreibe ein Mal vor und klebe die Streifen genau auf die Linien ein.

S3 – 1.Klasse Halloween

In der zweiten Klasse haben die meisten Kinder kein Problem mehr mit der Orientierung in den Heften, sodass ich auf ein Formati Heft umsteige, das zweiteilige Schreibzeilen hat (Dach=Haus, Keller). Unsere Halloweengeschichten sind im Heft C4 geschrieben. Dieses Modell verwende ich für Kreatives Schreiben. Parallel dazu, für gezielte Übungen aus dem Buch bzw. mit grammatischen Schwerpunkten, nutzen wir die Schreibhefte S4 (auch zweiteilige Zeilenführung). Für Quereinsteiger, die das Schreiben erst erlernen müssen bzw. für Schülerinnen und Schüler, die noch immer eine dreiteilige Liniatur benötigen, gibt es das C-Heft auch mit dreiteiligen Zeilen, das C1. Den anderen Kindern fällt es nicht auf, dass das Kind ein anderes Heft hat und für dieses bestimmte Kind ist es eine Erleichterung.
Das ist der Riesenvorteil an der aufbauenden Lineatur der Formati-Hefte!

Hier nun einige Beispiele für unsere Halloweengeschichten:

C4 – 2.Klasse Halloween

Als Vorübung haben wir aus einem schwarzen Kessel (ein alter schwarzer Topf) Grusel-Wörter gezogen und Sätze gebildet (z.B.: der Kater – Plötzlich springt ein schwarzer Kater aus dem Gebüsch).

Anschließend haben wir eine Reihumgeschichte erzählt. Verschiedene Satzanfänge habe ich in die Mitte des Sitzkreises gelegt. Ein Kind hat einen Satzanfang ausgewählt und mit einem Einleitungssatz  begonnen (Ideen zum Textaufbau Einleitung-Hauptteil-Schluss könnt ihr unter meiner Instagramseite schulinsel nachlesen unter „Textpolizei“), dann folgte das nächste Kind usw. bis wir zu einem Schluss gekommen sind. Auf der Tafel habe ich die Erzählkurve mit „Einleitung, Hauptteil, Schluss“ mitgezeichnet, damit die Kinder wissen, wann sie zum Ende kommen sollen.

Endlich konnten die Kinder mit dem Schreiben beginnen. Ihr glaubt es gar nicht, meine Kinder sprühen dann vor eigenen Ideen und sind sowas von mitteilungsbedürftig 🙂 Das Gefühl ist unglaublich, wenn ich sehe, wie motiviert sie sind. Als Hilfsmittel konnten sie sich einen Ausschnitt eines Satzes nehmen (von zaubereinmaleins), und drumerum sich eine Geschichte ausdenken. Viele Kinder wollen das gar nicht und schreiben ganz allein eine schaurig-schöne Halloweengeschichte.

Was die Korrekturen angeht, ist das Geschichtenheft den Kindern heilig. Es sind ihre Gedanken. Das ist das einzige Heft, indem der „Lehrerstift“ keinen Platz hat, denn der Weg ist hier das Ziel, sie sollen gerne schreiben. Beim Schreibprozess weise ich die Kinder auf die Fehler hin, schreibe es auf einen Zettel, wenn notwendig, aber die Korrekturarbeit gehört zum Schreibprozess dazu und die Kinder erledigen das selbst. Wörter, die sie nicht kennen, holen sie sich von mir. Dafür hat jedes kind ein kleines Notizheft. So wird ihnen auch immer wichtiger in den anderen Heften ordentlich zu arbeiten, weil ihnen das „Fehlerfreie“ einfach viel zu gut gefällt 🙂

Ich hoffe, dass ihr durch diesen Eintrag auf eigene Ideen für euren Unterricht gekommen seid und freue mich über Rückmeldung, Fragen oder Wünsche, was ihr aus der Praxis gerne sehen würdet.

Schöne und gruselige Herbstferien für alle, die welche haben!

Bis bald!

Eure schulinsel

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